Sternfreunde Kreis Offenbach

Erfahrungsbericht neues Omegon-Fernglas Brightsky 26×82

Dank einer großzügigen Spende unseres langjährigen Mitgliedes Paul Engels haben wir uns ein Großfernglas von Omegon zugelegt. Damit ist es möglich unseren Besuchern zahlreiche Objekte durch ein bequemes Einblickverhalten zu zeigen. Die Beobachtungen vom Mond, größeren Sternhaufen, großflächiger Nebel, Kometen und zahlreichen Objekten der Milchstraße wird damit zu einem Erlebnis. Erste Erfahrungen konnten Peter Budszus und Hajo Koppert bereits damit machen:

Erfahrungsbericht von Peter Budzus :

„Als Neuling bei den Sternfreunden Kreis Offenbach und unerfahrener Beobachter hatte ich Gelegenheit das vom Verein neu erworbene Omegon Fernglas auszuprobieren. […]

Mit der Gabelmontierung ist das Bino gut auszurichten und lässt sich in jeder Position solide arretieren. Der um 90 Grad abgewinkelte Einblick macht auch die Beobachtung von hoch stehenden Objekten sehr angenehm.

Nach dem Entfernen der Objektivdeckel können die Streulichtblenden herausgezogen werden.

Zum Einstellen der Schärfe sind griffige Einstellringe an den Okularen. Nach der Anpassung des Okularabstandes an den Augenabstand bietet sich ein angenehm großes und gleichmäßig helles Bildfeld.

Der Nachthimmel bot in den letzten Tagen wenig Beobachtungsmöglichkeiten.  Immerhin hatte ich Gelegenheit an einem Abend den Halbmond zu betrachten. Dieser zeigte sich sehr kontrastreich und plastisch.  An zwei weiteren Abenden nutzte ich auf der heimischen Terrasse die Wolkenlücken für Spaziergänge über den Himmel. Auch dabei empfand ich das Bildfeld angenehm groß und gleichmäßig hell.“

Erfahrungsbericht von Hajo Koppert :

„Gestern Abend sah es so aus, als ob eine Chance bestehen könnte, dass es gegen Mitternacht klar wäre. Da hab ich kurzerhand das Bino geholt und bin dann den Südhimmel abgefahren. Leider haben noch vor dem Einbruch der astronomischen Dunkelheit Wolken den kurzen Beobachtungsspaß beendet. Die Beobachtungsergebnisse sind an den suboptimalen Verhältnissen natürlich zu bewerten.

Was habe ich mir angeschaut:

Wega:

Nahezu keine Farbe in der Bildmitte zu erkennen. Am Rand vielleicht ein bisschen mehr. Für einen Achromat ist das fantastisch.

Epsilon Lyra:

Schön, natürlich sind die Einzelkomponenten von Epsilon 1 und Epsilon 2 nicht zu trennen.


M57:

M57 ist ja sehr leicht zu finden. Im Bino erscheint M57 schon flächig, eine Ringstruktur kann man nicht erkennen. Hier bringen die UHC Filter viel. M57 zeigt sich damit mühelos schön mittig zwischen Gamma und Beta Lyrae.

Albireo:

Wunderschöner Farbkontrast, weit getrennt.

CR399:

CR 399 ist sicher eines der schönsten Asterismen des Nordhimmels, wenn nicht der schönste und sehr leicht aufzufinden noch dazu! Ein Genuss gerade im Bino. Allerdings passt der „Kleiderbügel“ gerade so ins Gesichtsfeld. Da wären 24mm Okulare sehr hilfreich. Wie auch für großflächige Nebel.

M71:

M71 ist zwar leicht im Pfeilschaft zu finden, bleib aber sehr flau und es sind keine Anzeichen von Granularität zu erkennen. Das ist natürlich kein Wunder bei 26-facher Vergrößerung.

M27:

Auch ohne Filter zu sehen. Mit UHC-Filter viel besser. Sanduhr-Form damit erkennbar.

Ich habe mich – das erste Mal in meinem Leben – an das Zeichnen von astronomischen Objekten gemacht. Mein beiden „Werke“ habe ich mal angehängt. Ich habe die Skizzen aus der Nacht lediglich übertragen aber nichts daran verändert oder angepasst. Lediglich etwas schöner gemalt. Mit dem Stativ kann man die optimale Sitzposition finden. Das Einblickverhalten der Okulare ist genial gut, sodass es wirklich Spaß macht auch mal den Bleistift zu schwingen.“

Ordentlich was los auf der Sonne

Da sich Astrofotografie wegen der kurzen Nächte derzeit nicht lohnt, hat Hajo Koppert Anfang Juni unser Tagesgestirn angepeilt. Mit unserem Sonnenteleskop sind dabei spektakuläre Aufnahmen gelungen:

Die Oberfläche der Sonne zeigt eine deutlich gekörnte Struktur, die als Granulation bezeichnet wird. Diese Granulation entsteht durch Konvektionsströmungen in der Photosphäre, der oberen Schicht des Sterns. Heißes Gas steigt dabei auf, kühlt an der Oberfläche ab und sinkt am Rand der Konvektionszellen wieder ab. Die resultierenden Granulen haben eine Größe von 500 bis 2000 km.

Zusätzlich sind Sonnenflecken auf der Sonnenoberfläche sichtbar. Es handelt sich um dunkle Flecken, die eine niedrigere Temperatur haben und daher weniger Licht abstrahlen. Die Bewegung der Gase an der Oberfläche führt zu verdrehten magnetischen Feldern, die Feldbögen bilden. An den Stellen, an denen die Feldbögen senkrecht auf der Sonnenoberfläche stehen, entstehen Sonnenflecken. Dies liegt daran, dass dort die Konvektion behindert wird und der Transport von heißem Gas aus dem Sonneninneren zur Oberfläche gehemmt wird. Die Häufigkeit von Sonnenflecken folgt einem 11-jährigen Zyklus. Derzeit nähern wir uns wieder dem Maximum des aktuellen Sonnenfleckenzyklus. Die vergangenen Zyklen waren eher schwach, aber der derzeitige Zyklus scheint stärker zu werden.

Entlang der Magnetfeldlinien treten häufig coronale Masseauswürfe auf, die in der Animation im zweiten Bild als Protuberanz am Sonnenrand sichtbar sind. Sie entstehen insbesondere im Bereich der Sonnenflecken auf. Diese Auswürfe schleudern heißes ionisiertes Gas in den Weltraum. Wenn solche Massenauswürfe auf das Magnetfeld der Erde treffen, lenkt das Erdmagnetfeld die geladenen Teilchen in Richtung der Erdpole. Wenn sie auf die Atmosphäre treffen, ionisieren sie die Moleküle in der Luft und erzeugen so Polarlichter. Während der Sonnenfleckenmaxima wurden Polarlichter sogar gelegentlich bei uns in mittleren Breiten beobachtet. Die Chancen, Polarlichter in den nächsten Monaten zu sehen, stehen also gar nicht so schlecht.

Helle Supernova in der Feuerradgalaxie – auch mit Amateurteleskopen sichtbar

In der Galaxie Messier 101 findet gerade eine helle Supernova SN 2023 Ixf in 21 Mio. Lichtjahren Entfernung statt. Selbst in kosmischen Maßstäben ist dies eine enorme Entfernung. Das obere Bild wurde in den vergangenen Tagen aufgenommen, das unter Bild zeigt die Galaxie im März 2022.

In einem Stern herrscht ein Gleichgewicht zwischen nach außen gerichteten Strahlungsdruck und nach innen gerichteter Gravitationskraft. Hat ein Stern seinen Brennstoffvorrat verbraucht, so dominiert die Gravitationskraft. Es kommt zum Gravitationskollaps. Sterne, die mehr als die doppelte Sonnenmasse haben, explodieren dann in einer Supernova. In diesem Fall handelt es sich um eine Supernova des Typs II. Das heißt, hier explodiert gerade ein sehr massereicher Stern. Übrig bleiben ein Neutronenstern oder ein Schwarzes Loch und Gasreste, die sich schnell ins All ausbreiten. Die Supernova hat mittlerweile die 10. Größenklasse erreicht und ist strahlt fast so hell, wie die Galaxie selbst. Auch in kleineren Amateurteleskopen lässt sie sich sogar beobachten. Zum Aufsuchen muss man zunächst die Galaxie M101 finden, die sich etwas links von der Mitte zwischen den beiden letzten Deichselsternen im Großen Wagen (Sternbild Großer Bär) befindet. Beeilen muss man sich damit aber nicht, denn die Supernova leuchtet noch einige Monate.

Der Eta-Carinae-Nebel – ein tiefer Blick in den Südsternhimmel

Hajo Koppert hat in seinem Urlaub in den dunklen und klaren Nächten in Namibia wieder zahlreiche Objekte des Südsternhimmels fotografieren können. Eines der bemerkenswertesten Objekte ist der Carinanebel (NGC 3372) oder auch Eta-Carinae-Nebel genannt. Er ist einer der größten Wasserstoffnebel in unserer Milchstraße und übertrifft deutlich die Größe des Orionnebels. Mit einer Entfernung von 7.700 – 9.600 Lichtjahren erstreckt er sich über etwa 200 bis 300 Lichtjahre. Der Nebel ist ein riesiges Sternentstehungsgebiet und beherbergt gleich mehrere junge Sternhaufen.

Das berühmte erste Bild des James-Webb-Teleskops zeigt einen Teil des Eta-Carinae-Nebels, das sogenannte „Cosmic Cliff“, das auch hier in Bild 2 links unten zu sehen ist.

Bild 3 zeigt das Zentrum des Nebels mit dem Stern η-Carinae. Er ist ein sehr großer veränderlicher Stern, der die 100 -200fache Masse der Sonne hat und somit zu den massereichsten Sternen in unserer Milchstraße gehört. In nur wenigen Millionen Jahren wird er seinen Brennstoff verbraucht haben und in einer Supernova explodieren und letztendlich als Schwarzes Loch enden.

NGC 3521 „Die Galaxie in der Blase“

Dieses 35 Mio. Lichtjahre entfernte Exemplar befindet sich im südlichen Sternbild Löwe. Obwohl man diese Galaxie bereits in kleineren Teleskopen sehen kann, wird sie nur selten fotografiert oder beobachtet, da sie hinter ihren berühmteren Nachbarn im Sternbild Löwe oft zurücksteht. Deutlich zu erkennen sind die roten Knoten (ionisierte Wasserstoffnebel), blauen Bereiche (Sternwolken aus jungen Sternen) und dunklen Bänder (Staub). Die Galaxie ist in eine blasse Blase gehüllt, von der sie ihren Namen bekam. Wahrscheinlich handelt es sich dabei um Sternströme, die durch die Kollision mit einer anderen, kleineren Galaxie durch Gezeitenkräfte herausgerissen wurden. Wer gerne mehr über die Entstehung, Formen und Entwicklung von Galaxien erfahren möchte, der ist am 17.03.2023 19:00 Uhr zum Vortrag „Galaxien – Leuchtende Sterninseln im dunklen Universum“ herzlich eingeladen.

NGC 3521 „Galaxie in der Blase“. Skywatcher Quattro N10/f4, ZWO ASI 294 MC Pro, IDAS-LPS-D2-Filter 255×240“ ~16h

Der Möwennebel

Dieses Bild zeigt NGC 2327. Wegen seiner Form erhielt er die Bezeichnung Möwennebel. Dieser kosmische Vogel ist ein Nebel aus ionisiertem Wasserstoff, der von Staubwolken durchzogen ist. Er ist etwa 3800 Lichtjahre entfernt und umfasst eine Größe von etwa 100 Lichtjahren. In unseren Breiten steht der Möwennebel sehr weit südlich im Sternbild Einhorn, etwas höher und östlich von Sirius, dem hellen Stern, der sich derzeit am Abendhimmel tief im Süden befindet. In unseren Breiten lässt sich der Möwennebel nur schwer fotografieren, da er nicht sehr hoch über den meist Licht verschmutzten Horizont steigt und somit das Licht auf dem langen Weg durch die Atmosphäre abgeschwächt wird. Somit war es das perfekte Objekt für Hajo Koppert, um ihn dann in südlicheren Breiten in seinem La Palma Urlaub zu fotografieren.

NGC 2327, der „Möwennebel“ LRGB 90/45/45/45-Minuten mit der QHY600 und dem FSQ85. Bild Hajo Koppert, La Palma

Komet C/2022 E3 ZTF verabschiedet sich.

Komet C2022 E3 ZTF Anfang Februar. Aufgenommen von Hajo-Koppert auf La-Palma: Canos EOS RP und einem FSQ85 auf einer
iOptron HEM27, 75×30″.

Der Komet C/2022 E3 ZTF (2022 entdeckt durch die Zwicky Transient Facillity) hat sich mittlerweile auf die 7. Größenklasse abgeschwächt. Das heißt, er ist nur noch schwach im Fernglas zu sehen. Leider spielte an unseren öffentlichen Beobachtungsnächten das Wetter nicht mit. Vielleicht bietet sich am kommenden Samstag, den 25.02. nach dem Vortrag von Frank Ahnert: „Architektur im Kosmos – die größten Strukturen im Universum“ nochmal die Gelegenheit für eine Beobachtung.

Hajo Koppert ist in seinem Urlaub auf La-Palma diese Bild des Kometen gelungen. Kometen sind meist einige Kilometer groß und bestehen Eis, Staub und Gestein. Sie sind Überreste von der Entstehung des Sonnensystems und stammen aus der Oortschen Wolke bzw. aus dem Kuipergürtel jenseits der Neptunbahn. Nähern sich Kometen der Sonne, so beginnt das Eis und leicht flüchtige Stoffe zu sublimieren. Es bildet sich eine schalenförmige Koma um den Kern. Diese wird vom Sonnenwind weg getragen, wodurch der Schweif entstehen. Der dickere, kürzere Schweif, der im Bild nach rechts oben weggeht, ist der Staubschweif. Der gerade lange Schweif ist der Ionenschweif, der aus ionisiertem Gas besteht. Die Ionen werden dabei vom solaren Magnetfeld weg getragen. Die grüne Farbe hat der Komet von seinem hohen Anteil an zweiatomigen Kohlenstoff, das beim Zerfall organischer Substanzen unter Sauerstoffausschluss entsteht. Es wird durch die UV-Strahlung der Sonne zum leichten angeregt und strahlt dann in einem satten grün.

Wer den Kometen in den nächsten Nächten nochmal mit einem Feldstecher beobachten möchte, sollte seinen Blick knapp westlich vom „Bogen des Orions“ richten.

Orion der Himmelsjäger

Das Bild entstand mit einer Canon EOS RP und einem Tamron 45mm, 1:1,8, bei Blende 2,2 und ISO 1600. Ein CLS-Filter
wurde zur Reduktion der Lichtverschmutzung eingesetzt. Um die Sternbilder besser herauszuarbeiten, wurde ein Cokin A820 Weichzeichner genutzt. Die Gesamtbelichtungszeit betrug sechs Minuten. Bild: Hajo Koppert

Ziemlich markant erscheint das Sternbild des Orion derzeit am Abend am Südosthimmel. Es ist einer der schönsten Sternbilder am Winterhimmel und enthält zahlreiche interessante Objekte. Hajo Koppert ist im Dezember in Heusenstamm dieses Bild gelungen.

Der auffälligste Stern im Orion ist der rote Riesenstern Beteigeuze. Er bildet die Schulter des Orions und gehört zu den hellsten Sternen am Nordhimmel. Er hat bereits das Ende seiner Lebenszeit erreicht und sich zu einem roten Riesen aufgebläht.

Belichtet man die Gegend um den Orion etwas länger mit einer speziell für die Astrofotografie modifizierten Kamera, so treten zahlreiche rote Gasnebelgebiete zu Vorschein. Es handelt sich dabei um Nebel aus ionisierten Wasserstoffe, die zu einem großen Nebelkomplex, den sogenannten Orion-Monoceros-Molekülwolkenkomplex gehören. Dieser Komplex ist mehrere hundert Lichtjahre groß und ist etwa 1350 Lichtjahre von uns entfernt. Er ist ein aktives Sternentstehungsgebiet. Bekanntestes Objekt ist der Große Orionnebel (M42), der sich bereits mit dem bloßen Auge oder einem Feldstecher im Schwert des Orions unterhalb der 3 hellen Gürtelsterne relativ leicht finden lässt.

Messier 42, der Große Orionnebel. Aufgenommen im Januar 2020 in unserer Sternwarte. Bild: Hajo Koppert, Thomas Gentil, Frank Ahnert und Christian Herold

Der Geist in der Kassiopeia

Der Geist in der Kassiopeia, BLZ: 110×360 sec ~ 11h, Skywatcher Quattro N10/f4, Zwo ASI 294MC color, Idas-D2 Filter; Dietzenbach

Manche interstellare Nebel nehmen geisterhafte Formen an. Der Geist in der Kassiopeia, IC59/63 ist ein Reflexionsnebel im Sternbild Kassiopeia (auch bekannt als das Himmels-W), der durch den Stern Gamma Casseopeiae (Navi) (die obere Spitze des Himmels-W’s) angestrahlt wird. Im oberen Bildrand leuchtet der Stern noch ins Bild. Er ist nur etwa 3 bis 4 Lichtjahre vom Nebel entfernt und sorgt für die charakteristische blaue Färbung des Nebels im linken Teil. Der rechte Teil des Nebels emittiert zusätzlich noch H-alpha-Licht von ionisiertem Wasserstoff und leuchtet daher stärker rot.