Sternfreunde Kreis Offenbach

Die Milchstraße und „ein Herz und eine Seele“ in klarer Röhnsternennacht.

Während im Rhein-Main-Gebiet am vergangenen Wochenende dichter Nebel vorherrschte, sorgte eine Inversionswetterlage für klaren Himmel in extrem trockener Luft in den Mittelgebirgen. Hajo Koppert nutzte diese Gelegenheit, um in der Rhön den Sternhimmel zu fotografieren. Das Bild zeigt die Sommermilchstraße und das Sommerdreieck, bestehend aus den Sternen (Deneb, Altair und Wega), das derzeit noch kurz noch Sonnenuntergang am Südwesthimmel zu sehen ist. Deutlich strukturiert erscheint die Milchstraße in der Region zwischen Schwan und Adler. Sie zeigt Nebel aus ionisiertem Wasserstoffe (rote Bereiche), Sternwolken und Staubwolken (dunkle Gebiete).

Das zweite Bild zeigt den Herz- und den Seelennebel (IC 1805/48). Diese beiden Emissionsnebel sind 7500 Lichtjahre von der Erde entfernt und befinden sich im Sternbild Kassiopeia. Er liegt somit im Perseusarm der Milchstraße. Der Doppelsternhaufen weiter links ist h + χ Persei (NGC 869/884). Er ist etwa 8200 Lichtjahre entfernt und lässt sich bereits mit bloßem Auge als nebliger Fleck zwischen den Sternbildern Kassiopeia und Perseus finden. Bereits in kleineren Teleskopen bietet er einen beeindruckenden Anblick.

Wolken trüben Sonnenfinsternis

Pech bei der partiellen Sonnenfinsternis: Leider spielte das Wetter am Dienstag nicht mit. Kurz vor dem Ereignis zogen dichte Wolken auf, die den Blick auf die Sonne verdeckten. Nur kurzzeitig ließen Wolkenlücken einen Blick auf die teilweise verfinsterte Sonne zu. Dabei ist Dr. Wolfgang Reuter diese Aufnahme gelungen:

Partielle Sonnenfinsternis über Heusenstamm am 25.10.2022. Bild: Dr. Wolfgang Reuter

Sonnenfinsternis auf Jupiter

Der Planet Jupiter lässt sich derzeit als heller „Stern“ hoch im Südosten am Abendhimmel bewundern. Derzeit steht Jupiter in Opposition. Das heißt, Sonne, Erde und Jupiter stehen auf einer Linie, sodass Jupiter seine geringste Entfernung zur Erde hat. So nah wie in diesem Herbst stand uns Jupiter schon 60 Jahre nicht mehr. Hajo Koppert und Peter Budszus haben am Dienstag, dem 11.10.2022 die Gelegenheit genutzt, um eine Sonnenfinsternis auf Jupiter in unserer Sternwarte aufzunehmen. Der Mond Io wirft seinen Schatten auf die Oberfläche von Jupiter. Dieser dreht sich in nur 9 Stunden und 55 Minuten um seine eigene Achse. So konnte ein Video von der Bewegung des Mondes erstellt werden. Die Atmosphäre des Jupiters besteht zu etwa 90 % aus Wasserstoff und etwa 10 % aus Helium. Er hat etwa 318 Erdmassen und gehört zu der Klasse der Gasriesen. Jupiter hat eine sehr turbulente Atmosphäre. Man erkennt gut die Wolkenbänder. Die weißen Bereiche entstehen durch Ammoniakeiskristalle, während die dunklen rötlichen Bereiche von Spuren von Phosphor, Schwefel und Kohlenwasserstoffen stammen. Unten links kommt der „Große Rote Fleck“ ins Bild. Er ist mit etwa 1,5 Erddurchmessern der größte Wirbelsturm im Sonnensystem und existiert schon seit mehreren hundert Jahren. Man hat in ihm Windgeschwindigkeiten bis 680 km/h gemessen. Wollen auch Sie einen Blick durch unser Teleskop auf die Wolkenbänder des Jupiters werfen, so bietet sich am 12.11. 19:00 Uhr, nach dem Vortrag von Frank Ahnert „Weltbilder im Wandel der Zeit“ die nächste Beobachtungsmöglichkeit.

Kalte Herbstnacht in der Sternwarte: Der Blasennebel

NGC 7635, der Blasennebel; Belichtungszeit: 3h, Bild: Hajo Koppert, Thomas Gentil, Martin Flachsel und Frank Ahnert.

Am Donnerstag, dem 22. 09. gab es in einer kalten Herbstnacht einen tollen Sternhimmel über Heusenstamm. Die beste Gelegenheit, um sich in der Sternwarte zu treffen. Während die Sternfreunde mit dem Dobsen-Teleskop zahlreiche Objekte des Herbsthimmels visuell beobachteten, fotografierte das 30-cm-Newton-Teleskop den Blasennebel (NGC 7635). Mit 3 Stunden Belichtungszeit entstand dieses Bild.

Seinen Namen hat dieser 7100 Lichtjahre entfernte Wasserstoffnebel von seiner markanten Sternwindblase. Sie entsteht durch den Sternwind des helleren orangen Sterns, der 45-mal so massereich wie unsere Sonne ist und große Mengen Gas ausstößt. Dieser Sternwind trifft auf das kalte Gas des Nebels, das ihm Widerstand entgegensetzt. Somit wird die äußere Hülle der Blase als Stoßfront sichtbar.

Der Trifidnebel

In seinem Urlaub auf der kroatischen Insel Cres konnte Hajo Koppert Anfang September dieses Bild des Trifidnebels aufnehmen.

Der Trifidnebel (Messier 20) ist ein 5000 Lichtjahre entferntes Sternentstehungsgebiet und enthält 3 Arten von Nebeln: Blau ist ein Reflexionsnebel aus Staub, der vom heißen, blauen Stern oben links beleuchtet wird. Der Rotanteil besteht aus ionisiertem Wasserstoff und die Dunkelwolke Bernard 85, teilt den roten Gasnebel in drei Teile. Die Dunkelwolken entspannten aus den Hüllen von Riesensternen und von Supernovaexplosionen. Der Name Trifidnebel kommt aus dem lateinischen und stammt vom Wort trifidus, was „dreigeteilt“ bedeutet.

Wer mehr über die Farben von interstellaren Nebeln erfahren will, ist am Samstag, den 17.09. um 20:00 Uhr zum Vortrag von Hajo Koppert mit dem Thema „Das Weltall in Farbe“ im K-Bau des Adolf Reichwein Gymnasiums herzlich eingeladen.

Der Trifidnebel (M20) Bild: Hajo-Koppert, Cres, Belichtungszeit: Luminanz: 1h48′; RGB: 1h39′

Die Milchstraße im Schwan

Die Milchstraße im Sternbild Schwan Bild: Hajo Koppert
Milchstraße im Schwan beschriftet. Weiß: Sterne/Sternhaufen, gelb: Emissionsnebel, blau: Reflexionsnebel.

In extrem trockener Luft hatte man Anfang August in den länger werdenden Nächten einen guten Blick auf den Sternhimmel. So konnte man selbst in Heusenstamm die Milchstraße mit bloßem Auge erahnen. Hajo Koppert hat die Gelegenheit genutzt, um ein Bild der Milchstraße im Sternbild Schwan zu machen. Der Schwan (lat. Cygnus) hat einiges an Deep-Sky-Objekten zu bieten: Der helle blaue Stern links ist Deneb, der Hauptstern des Schwans. Er lässt sich leicht am Abendhimmel hoch im Osten erkennen und bildet zusammen mit Vega und Altair das „Sommerdreieck“. Im Bild unterhalb liegt die Nebelregion Sh2-117 in etwa 2300 Lichtjahren Entfernung. Eine davor liegende Dunkelwolke aus Staub (LDN 935) teilt den Nebel in 3 Teile. Der bekannteste Teil ist NGC 7000 der wegen seiner Form auch Nordamerikanebel genannte wird. Ein weiterer Nebelkomplex befindet sich um den Stern Sadr (γ-Cygni), im Herzen des Sternbildes Schwan. Er wird deshalb auch γ-Cygni-Nebelkomplex genannt und ist 3700 Lichtjahre entfernt und liegt somit hinter dem sogenannten „Great Rift“, einem Band aus Dunkelnebeln, das die Milchstraße durchzieht und aus interstellarem Staub und kaltem Gas besteht. Es verdeckt die Sicht auf die dahinter liegenden Sterne und ist besonders gut im Schwan am sternarmen Gebiet zwischen Sh2-177 und dem γ-Cygni-Nebelkomplex zu erkennen (Cygnus Rift). Ein bekannter Sternhaufen am Rand dieses Nebels ist Messier 29. Er ist vergleichsweise klein und sternarm. Allerdings lässt er sich unter guten Bedingungen bereits in einem Feldstecher beobachten. Am südlichen Ende des Nebelkomplexes schließt sicher der Sichelnebel (NGC 6888) an. Es handelt sich dabei um einen sogenannten Wolf-Rayet-Nebel, bei dem ein sehr heißer Stern kontinuierlich größere Mengen Gas ins All abstößt, das durch die hochenergetische Strahlung ionisiert wird. Oben rechts gibt das Cygnus Rift den Blick auf die Cygnus Sternwolke frei. Sie gehört mit Millionen von Sternen zu den steinreichsten Regionen der Milchstraße auf der Nordhalbkugel.

NGC 6890 „Der Hexenbesen“

In den warmen und klaren Sommernächten der vergangenen Woche ist dieses Bild gelungen. Es zeigt NGC 6890 auch „Der Hexenbesen“ oder „Sturmvogel“ genannt. Es gehört, wie auch die „Hexenhand“ (NGC 6992/6995) zum Cirrusnebel im Sternbild Schwan. Der Cirrusnebel ist der Überrest einer gewaltigen Supernova, die vor etwa 8000 Jahren in 2400 Lichtjahren Entfernung stattfand. Durch die Sternexplosion wurden Teile der Gashülle des Sterns ins All geschleudert und treiben nun als Filamente aus ionisiertem Gas durchs All. Der helle Stern ist 52-Cygni und befindet sich im Vordergrund. Auch für dieses Foto wurde wieder ein Linienfilter verwendet, der speziell auf die Spektrallinien dieser ionisierten Gase reagiert und einen Großteil des Stadtlichtes blockiert. Es handelt sich dabei um ein Falschfarbenbild. Blau zeigt den ionisierten Sauerstoff und rot ionisierten Wasserstoff.

Bild: Christian Herold, Dietzenbach

Die Feuerradgalaxie

Messier 101 ist eine Spiralgalaxie im Sternbild Großer Bär. Sie lässt sich bereits mit kleineren Teleskopen am besten im Frühjahr beobachten, ist aber wegen ihrer geringen Flächenhelligkeit aus der Stadt schwer zu finden. Ihre Entfernung beträgt etwa 21 Mio. Lichtjahre. Mit 170.000 Lichtjahren Durchmesser ist sie nur etwa halb so groß, wie unsere Milchstraße. Man schätzt, dass sie 1 Trillion (1012) Sterne enthält. Sie wird wegen ihrer roten Konten auch Feuerradgalaxie genannt. Es handelt sich dabei um rot leuchtende Wolken aus ionisiertem Wasserstoff (H-II-Regionen), in denen Sterne entstehen. Die helleren blauen Knoten sind Sternwolken bestehend aus sehr jungen und heißen Sternen. Dazwischen erkennt man zahlreiche dunkle Staubwolken in den Spiralarmen.

Dieses Bild konnte Christian Herold im März von seinem Balkon in Dietzenbach mit insgesamt 12,3 Stunden Belichtungszeit aufnehmen.

Messier 101, die Feuerradgalaxie (BLZ: 148×300 s = 12,3 h; Teleskop: Skywatcher Quattro N10/f4,Kamera: ASI 294mc pro color, IDAS-D2-Filter)

Vortrag „Ein Streifzug durch die Astronomie“ mit Beobachtungsabend am 4. Juni

Am 4. Juni luden die Sternfreunde zu einem Votrag mit dem Thema „Ein Streifzug durch die Astronomie“ (Vortragender Frank Ahnert) mit anschließender Beobachtung in der Sternwarte ein. An diesem Abend stand der Mond günstig. So wurde er auch aufs Korn genommen. Peter Kniedel (im Bild mit unseren Fernrohren) ist dabei mit seinem Handy ein sehr schönes Bild gelungen. Das Handy wurde über einen Teleskopadapter für Smartphones genau an das Teleskop angepasst und so konnte der Mond schön mittig und scharf abgelichtet werden.

Bild: Peter Kniedel
Bild: Peter Kniedel

Eine halbe Million Sterne – Der Kugelsternhaufen Messier 3

Kugelsternhaufen Messier 3, Bild: Hajo Koppert

Kugelsternhaufen gehören zu den rätselhaftesten und faszinierendsten Gebilde in unserem Universum. Dieses beeindruckende Exemplar im Sternbild Jagdhunde konnte Hajo Koppert aus seinem Garten in Heusenstamm fotografieren. Messier 3 besteht aus etwa einer halben Million Sterne und umkreist in 39.000 Lichtjahren Entfernung in einem galaktischen Halo unserer Milchstraße. Kugelsternhaufen sind die dichtesten gravitativ gebundenen Sternensysteme im Universum. Mehrere Hundert dieser Gebilde umkreisen unsere Milchstraße. Größere Galaxien wie beispielsweise M 87 haben zehntausende. Sie entstanden im frühen Universum durch die Verschmelzung von Zwerggalaxien. Die ältesten von ihnen sind somit fast so alt wie das Universum selbst.

Entsprechend alt sind auch ihre Sterne. Die meisten sind langlebige rote Zwerge. Die hellen roten Sterne auf dem Bild gehören jedoch zu den sogenannten „Roten Riesen“, die ihren Wasserstoffvorrat schon fast verbraucht haben. Blaue Sterne sind vorwiegend sehr massereiche, junge und heiße Sterne. Eigentlich sollte es solche Sterne in Kugelsternhaufen wegen ihres Alters nicht mehr geben. Dennoch sieht man auf dem Bild zahlreiche bläuliche Sterne. Diese sind sogenannte „Blaue Nachzügler“. Sie sind durch die Kollision und Verschmelzung von Sternen in späteren Lebensabschnitten des Kugelsternhaufens entstanden. Sie befinden sich vorwiegend im Zentrum des Haufens. Dort kommt es aufgrund der Sterndichte häufiger zu Sternkollisionen. Denn der mittlere Abstand der Sterne beträgt dort nur etwa 0,1 Lichtjahr. Zum Vergleich: Unser nächster Nachbarstern Proxima Centauri ist 4,2 Lichtjahre entfernt. Befände sich als unser Sonnensystem im Zentrum eines Kugelsternhaufens, so wäre der Nachthimmel gleißend hell.